Ein besonderer Reiz von Bar Codes – Roman einer Bar liegt in der gewählten Location. Mitten im Herzen von Berlin wird das von uns erfundene Eckhaus zum Brennpunkt für gesellschaftliche, kulturelle und politische Umwälzungen. Zwischen 1899 und 2099 ist dazu reichlich Gelegenheit. Manches ist tatsächlich geschehen, anderes frei hinzu erfunden.

Die folgenden beispielhaft genannten Themen und Motive des Romans stehen häufig im Zusammenhang mit dem Schauplatz Berlin:

Anti-Reagan Demo

1982 kommt es in Berlin zu einer nicht genehmigten Demonstration gegen den Staatsbesuch von US-Präsident Ronald Reagan, der am Beginn seiner Amtszeit massive Aufrüstungspläne hegt. Der Protestmarsch endet mit einer der schwersten Straßenschlachten, die West-Berlin je erlebt hat. Zwei Demonstranten suchen in unserer Bar Zuflucht. Zu jenem Zeitpunkt heißt sie Unteilbar.

Berolina

Nach dem Trauma des Ersten Weltkriegs stürzen sich viele Berliner ins nächtliche Vergnügen. Konservative warnen vor einem angeblichen Sittenverfall durch ungehemmtes Tanzen und engen Körperkontakt. 1919 zeigt ein Plakat eine schwächelnde Berolina, die Personifikation der Stadt, in den Armen eines tanzenden Skeletts und unter der Überschrift: „Berlin halt ein! Besinne dich, Dein Tänzer ist der Tod“. Die Kneipe Zum Papagei zieht ein buntes Volk an, das auf solche Sprüche nicht hereinfällt.

Charles Schumann

Mehrere seiner Cocktail-Kreationen finden ihren Weg in die Komet Bar: Swimming Pool und das Trio aus Rum-Cocktails Leichtmatrose, Schwermatrose und Tiefseetaucher. Ab Beginn der 1990er Jahre ist der Münchner Charles Schumann an der Renaissance fachkundig zubereiteter Cocktails maßgeblich beteiligt. Sein 1991 erstmals veröffentlichtes Rezeptbuch American Bar wird in elf Sprachen übersetzt. Der Barchef der Berliner Komet Bar ist sein Lehrling.

Digital Dependency Centers

In ferner Zukunft kommt es infolge der Bot Wars zu einem Ausfall des iNet. Anstelle der heutigen Fitnessstudios boomen Therapiezentren, die den Menschen dabei helfen, sich aus der Abhängigkeit von digitalen Medien zu befreien. Die Wände der Huixing Bar sind verkleidet mit weggeworfenen Tablets, Smart Phones und anderen Digits.

Exerzierplatz

Im Ortsteil Gesundbrunnen, östlich des Wedding, liegt ein Truppenübungsplatz der Kaiserlichen Artillerie. Hier findet der Fußballclub BFC Hertha 1892 seine erste Spielstätte. Wegen ihrer Ödnis wird die Gegend auch „Sahara von Berlin“ genannt. 1911 wagt ein Kolumnist des Berliner Tageblatt einen Ausflug in die Wüste und stößt auf die Kneipe Zum Papagei.

Fritz Lang

Seine wegweisenden Filme Metropolis (1927) und Frau im Mond (1929), die im Studio Babelsberg entstanden, begeistern eine junge Dame aus Odessa, die am Tresen der Kneipe Zum Papagei von einem Kavalier angesprochen wird. Sie zieht die Filme als Beweise heran, um ihn als Schwindler zu entlarven, als er behauptet, ein Zeitreisender zu sein.

Gebietstausch

Während der Teilung Berlins treffen der Senat von Berlin (West) und die Regierung der DDR mehrere Vereinbarungen, um den Grenzverlauf zwischen West- und Ost-Berlin zu korrigieren. 1971 verhandeln zwei Anwälte in der Komet Bar über das grenznahe Areal, auf dem sich auch das Gebäude befindet, in dem sie gerade ihre Cocktails schlürfen.

Halbseidene

In den Zwanziger Jahren ist das Lokal Zum Papagei ein Treffpunkt für Welt, Halbwelt und Unterwelt. Auch Gelegenheitsprostituierte (so genannte „Halbseidene“) gehen hier ihren Geschäften nach. Der Mord an einer Liebesdienerin vor den Türen der Destille hat Folgen, die bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg reichen.

Inoffizieller Mitarbeiter

1969 meldet ein nicht sonderlich geschickt vorgehender Spitzel in seiner „Berichtsabschrift“ an das Ministerium für Staatssicherheit der DDR, wer in der Komet Bar „Westfernsehen“ schaut (Liveübertragung der Mondlandung) und sich auf sonstige Weise verdächtig macht. Inhaber und Gäste der Bar lassen den IM auflaufen.

Jägerschnitzel

Zwei Anwälte, die in der Komet Bar über einen Gebietstausch verhandeln, bestellen zur Stärkung ein Jägerschnitzel. Da sich das Lokal zu jener Zeit auf DDR-Gebiet befindet, besteht das Gericht nicht aus einem Kalbs-oder Schweineschnitzel, sondern wegen Zutatenmangel aus gebratenen Scheiben Jagdwurst.

Kai Sternenberg

trifft sich 2024 mit Wolfgang Lichtenberg in der Komet Bar und hofft auf Unterstützung bei der Fahndung nach dem Entführer eines vermissten Mädchens. Die beiden sind Kollegen in Jörg Liemanns Kriminalroman-Reihe, die mit Flammenopfer ihren Anfang nahm.

Litfaßsäule

Der Berliner Drucker Ernst Litfaß lässt ab 1854 überall in der Stadt so genannte „Annoncier-Säulen“ aufstellen. Sie eignen sich ideal zur Verbreitung von öffentlichen Bekanntmachungen und Werbeplakaten – auch international ein Erfolgsmodell. Im Jahr 2019 hören die Gäste der Komet Bar von den Plänen des Senats, die Litfaßsäulen abzureißen.

Mondlandung

Der Aufbruch ins All, Laika und die Landung auf dem Mond hinterlassen auf verschiedene Weise Spuren in der Bar. Vor allem prägen sie den Namen auf dem Schild über der Tür: Komet Bar. Als sie irgendwann von Chinesen aufgekauft wird, lautet ihr Name Huixing Bar (Chinesisch für: Komet).

Nationale Volksarmee

Als die Truppen der DDR Mitte der 1980er Jahre Kriegsübungen durchführen, sitzen drei Frauen in der West-Berliner Unteilbar, nippen an ihren Cocktails und grübeln, was sie im Falle einer Invasion unternehmen würden.

Olga Desmond

Im Mai 1908, bei ihrem allerersten Auftritt in Berlin, ist sie 17 Jahre alt. Vollkommen nackt und weiß bemalt wie eine Marmor-Skulptur, je nach Perspektive ein „lebendes Denkmal“ oder eine Provokation. Die Debatte im Preußischen Abgeordnetenhaus führt zum Verbot weiterer Nacktauftritte. Olga Desmond ist ein Ehrengast unserer Bar, doch gegen Ende ihres Lebens findet sie sich in einer ungewohnten Rolle.

Prohibition

In den 1920er Jahren führt der Verbot von Alkohol in den USA zur Gründung von Flüsterkneipen, die zahlungskräftigen Gästen weiterhin Cocktails servieren. Der Hauptzweck der Zutaten besteht zunächst darin, von der minderwertigen Qualität der Basisspirituosen abzulenken. Im Jahr 2033 wird erstmals auch in Deutschland die Prohibition eingeführt, und die Inhaberin der Komet Bar muss sich etwas einfallen lassen.

Qualm

Bis zur Einführung des Nichtraucherschutzgesetzes im Jahre 2007 sind die Komet Bar und ihre Vorgänger ein Paradies für Raucher. Später dienen die formschönen Drehascher nur noch dem Amüsement der Gäste.

RIAS

Es ist das Jahr 1965. Kurz vor einer Sendung von und mit Hans Rosenthal zerbricht sich ein Redakteur des West-Berliner RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) den Kopf, ob er eine geplante Serie über Berliner Bars ausstrahlen soll. Dazu gehört auch die Komet Bar. Das Problem: Sie befindet sich in der „Ostzone“. Auch die Tonbänder des Reporters geben Anlass zur Beanstandung.

Silvester

Wie feiern die Berliner den 31. Dezember 1899? Und wie den nächsten und den übernächsten Millennium-Wechsel? In der Kneipe Zum Papagei suchen wir nach Antworten, die über zwei Jahrhunderte hinweg nicht unterschiedlicher ausfallen könnten.

Tresorfabrik

Die erste Tresorfabrik Deutschlands wird 1833 von Simon Joel Arnheim in Berlin gegründet und bezieht Ende des 19. Jahrhunderts ihren neuen Standort an der Badstraße, Berlin-Gesundbrunnen. Im Roman Bar Codes trägt der Fabrikant den Namen Daniel Meyerbeer und ist Inhaber des Eckhauses mit der Kneipe Zum Papagei, die ganz in der Nähe liegt.

Unteilbar

Als das Eckhaus der Komet Bar 1971 durch Gebietstausch dem Französischen Sektor in West-Berlin zugeschlagen wird, wählen die Eigentümer einen neuen Namen für ihr Lokal: Unteilbar. 1989 öffnen sich die Schlagbäume am Grenzübergang Bornholmer Straße, und die nahegelegene Bar wird zum ersten Anlaufpunkt für West- und Ost-Berliner. Nach dem Mauerfall wird sie wieder in Komet Bar umgetauft.

Viermächte-Status

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernehmen die vier Siegermächte USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich gemeinsam die Kontrolle über Deutschland. Auch Berlin wird in Sektoren aufgeteilt. Im sowjetischen Sektor nimmt 1956 ein Agent des Bundesnachrichtendiensts Kontakt auf zu einem HVA-Mitarbeiter – wie sich herausstellt: eine Frau. Schauplatz des konspirativen Treffens ist die Komet Bar.

Wachsfigurenkabinett

Castans Panoptikum wird 1869 als erstes Wachsfigurenkabinett Deutschlands in Berlin eröffnet und zieht 1873 nach einem Brand in die neu eröffnete Kaisergalerie in der Berliner Friedrichstraße. In der Silvesternacht 1899/1900 ziehen Halbwüchsige aus den Arbeiterbezirken zur Kreuzung Unter den Linden / Friedrichstraße und übernehmen nach ein Uhr die Kontrolle. Unvorsichtigen Flaneuren im feinen Zwirn, die sich hier noch aufhalten, schlagen sie die Zylinder von den Köpfen.

Xeenix

Das Internet, so wie wir es kennen, gibt es 2099 nicht mehr. Die Menschen kommunizieren per Mindwrite oder verbinden sich mit dem Xeenix-Kanal. Verändert hat sich auch die Berliner Eckkneipe Zum Papagei. Sie heißt Komet Bar und ist ein Tempel für Cocktail-Liebhaber. 

Ya ne rozumiyu?

„Ich verstehe nicht. Können Sie langsam sprechen?“ Darum bittet der hagere Akkordeonspieler aus Kiew den Kneipenwirt, während sich die Gäste der Kneipe „Zum Papagei“ aufs Tanzparkett stürzen. Keine Zeit zu verlieren. Die Wende zum 20. Jahrhundert steht unmittelbar bevor.

Zum Papagei

Im Ortsteil Gesundbrunnen lässt der Tresorfabrikant Daniel Meyerbeer 1890 ein Haus an der Fantasie-Kreuzung General-von-Bosetzky- und Bergstraße errichten. Seinem Bauleiter und Freund Gustav Kubinski verpachtet er die Kneipe im Erdgeschoss. Der wählt als Namenspatron seinen Ara, den er einst von einer Kaffeeplantage in Brasilien mitbrachte. Zum Papagei wird schon bald ein beliebter Treffpunkt für die Kiezbewohner und die Arbeiter der nahegelegenen AEG-Fabrik. Zweihundert Jahre später würdigen die Inhaber der Komet Bar ihren Urahn (und seine Nachfolger) mit einem kleinen Museum.